Ist allein der Veranstalter Schuld an dem Disaster des abgebrochenen Distanzritts in Tryon?

Es hagelt in einem fort Kritik an den Veranstaltern, nachdem der Distanzritt bei den Weltreiterspielen von Tryon erst für Chaos und dann für Aufruhr sorgte. Um 6:30 war der Start angesetzt. Stunden später wurde ein Neustart durchgeführt. Schließlich wurde der Distanzritt aufgrund zu großer Hitze und zu hoher Luftfeuchtigkeit abgebrochen. Ein vorhersehbares Szenario.



Die Kritik, die seit Mittwoch rund um den Distanzritt der Weltreiterspiele von Tryon geäußert wird, richtet sich gegen den Veranstalter. Eine angemessene Ausschilderung des Startpunktes sei nicht vorhanden gewesen, so erklären Reiter und andere, wie zum Beispiel Stewards und Journalisten, die zum Zeitpunkt des Starts vor Ort waren. Von Reitern wurde erwähnt, sie seien in die falsche Richtung geschickt worden. Doch bereits der Start-Zeitpunkt von 6:30 Uhr war fraglich. In Jardy, Frankreich, sind die Distanzreiter um 4:00 Uhr gestartet. Ja, dann ist es noch dunkel. Stimmt. Das war es um 6:30 Uhr in Tryon auch. Bei einem Start um 4:00 Uhr sind die Reiter mit ihren Pferden aber dann, wenn die größte Hitze des Tages zu erwarten ist, bereits im Ziel. Dass der Distanzritt von Tryon nach dem ersten Loop abgebrochen wurde und nach der Rückkehr des letzten Pferdes, dem erneuten Vetcheck und einer zusätzlichen Wartezeit von 45 Minuten ein Neustart durchgeführt wurde, musste zwangsweise zu Problemen führen. Inzwischen war es zu spät, um noch unter gesundheitlich vertretbaren Bedingungen die 120 km lange Strecke zu absolvieren. Zu diesem Zeitpunkt hätte bereits der Distanzritt komplett abgesagt werden müssen, meinen viele Reiter, darunter auch Ursula Klingbeil, Tirerärztin und zugleich eine der drei deutschen Teilnehmerinnen in Tryon, wie sie in einem Interview erklärt. 
Die Entscheidung, die der Veranstalter beim Neustart getroffen hat, ist sicher fraglich gewesen. Ein wenig hilflos wirkt sie, und sie lässt mangelnde Kenntnis des Distanzsports erkennen. Doch kann man diese Entscheidung alleine dem Veranstalter anlasten? Diese Frage zu stellen, muss erlaubt sein. Schließlich waren nicht nur versierte Reiter, Teamchefs und Tierärzte sondern auch Vertreter der FEI anwesend. Ausreichend viele Experten, die Rat geben können. Spätestens auf den Rat der FEI-Vertreter sollte ein Veranstalter hören. So wie die FEI erklärt, dass sie Untersuchungen durchführt, was zu dem Chaos beim Distanzritt in Tryon geführt habe und wofür sie erstaunlich lange benötigt, so wird es notwendig sein zu klären, wer dem Veranstalter welchen Rat gegeben hat und damit eventuell zu der unglücklichen Entscheidung beigetragen hat.