Neun Pferde hätten durch eine Regeländerung gerettet werden können

Die traurige Nachricht der letzten Wochen lautet, dass ein weiteres Pferd als Catastrophically Injured (CI) bei einem Distanzritt der Vereinigten Arabischen Emirate aufgelistet wurde und die Zahl der toten Pferde seit Beginn der neuen Saison Ende 2017 auf neun gestiegen ist. Noch trauriger ist die Erkenntnis, dass all diese Todesfälle durch eine einfache Regeländerung hätten verhindert werden können.



Der Tod des neunjährigen Pferdes Limon PP hätte vermieden werden können, wenn der auf dem FEI-Distanz-Forum 2017 diskutierte Regelvorschlag einer 66-prozentigen Abschlussquote für 2018 vom FEI-Ausschuss für Distanzsport und den nationalen Verbänden angenommen worden wäre. Dem neunjährigen Pferd wurde die 120 km lange Strecke in Al Wathba zum Verhängnis, auf der er am 27. Januar mit dem 18-jährigen Reiter Ahmed Hasan Ahmed Al Hammadi unterwegs war. Für den Reiter waren 15 vorherige FEI Starts verzeichnet, von denen er lediglich fünf Distanzritte beendete, wobei die Durchschnittsgeschwindigkeit weniger als 20 km / h betrug. Er hatte zuvor noch nie einen Distanzritt im Sattel von Limon P absolviert und bei keinem Start eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 27 km / h leisten müssen, wie es bei dem Distanzritt am 27.Januar in der ersten Runde aufgezeichnet wurde, bevor das Pferd bereits beim ersten Tierarzt-Check als CI gelistet wurde. Der Wallach aus argentinischer Zucht hatte bei fünf FEI Starts nur einen Distanzritt beendet, dieser führte über eine Distanz von 80 km und wurde mit einem Tempo unter 16 km/h geritten.

Daher muss erneut die Frage gestellt werden, WARUM ist es möglich, dass zwei so unerfahrene Teilnehmer, Pferd und Reiter, auf einem derart anspruchsvollen Distanzritt starten durften und sollte es nicht für dieses Niveau des Wettbewerbs, qualifizierende Ergebnisse als eine Art Sicherheit geben? Wann wird sich die FEI in Zusammenarbeit mit den nationalen Verbänden darauf einigen, eine Entscheidung zu treffen, die effektiv gegen die ständig wachsende Zahl von unnötigen Todesfällen unter Distanzpferden vorgeht? Sicherlich ist mit dem so oft bemühten gesunden Menschenverstand festzustellen, dass dieses Pferd ein hohes Risiko für tödliche Verletzungen hatte - wie viele andere Paare an diesem Tag mit ähnlich schlechten Leistungsdaten. Es gibt keine Notwendigkeit für detaillierte, mehrjährige FEI-Studien, um ähnliche Verletzungen zu untersuchen.


Jüngste Mitteilungen der American Endurance Ride Conference (AERC) und Präsentationen auf dem Sport Forum in Lausanne sowie beim FEI Endurance Forum deuten darauf hin, dass ein Regelwechsel dringend erforderlich ist. Eine der stärksten Stimmen in dieser Hinsicht ist Valerie Kanavy, die Amerikanerin, die zweimal Weltmeisterin in der Disziplin Distanzreiten war und sowohl als Organisatorin als auch aktiv in der AERC und als Reitervertreterin im FEI Endurance Committee tätig ist. Kanavy hat im Laufe des Jahres 2017 Ideen geäußert, die Vorschläge für Regeländerungen enthielten, von denen einige von der AERC angenommen wurden, nachdem der Präsident, Paul Latiolais, einen offenen Brief an die United States Equestrian Federation (USEF) schickte bezüglich der FEI Group 7 (Naher Osten) und die Auswirkungen der anhaltenden Todesfälle auf die bevorstehenden Weltreiterspiele.

In seinem Schreiben betonte Latiolais, dass die derzeitigen Vorschriften und die von der FEI verhängten Sanktionen die Todesfälle von Pferden nicht ausreichend beeinflussen, die jetzt nicht nur für den Distanzsport, sondern für alle Reitsportarten weltweit eine ernsthafte Belastung darstellen. Der folgende Auszug weist auf, wie sich die Teilnehmer für Distanzritte qualifizieren sollten und schlägt einen strengeren Qualifizierungsprozess vor.

• Die Anzahl der Events, die Pferde und Reiter absolvieren müssen, sollte erhöht werden, bevor sie auf dem nächsthöheren Level starten dürfen. Pferde und Reiter müssen drei 1 * -Events absolvieren, bevor sie an einem 2 * -Turnier teilnehmen dürfen, zwei 2 * -Events beenden, bevor sie an einem 3 * -Turnier teilnehmen dürfen, und zwei 3 * -Events beenden, bevor sie in einem 4 * Event an den Start gehen dürfen. Die Abschlussquote von 66,6 Prozent muss ausgedehnt werden auf diese zusätzlichen Anforderungen.

• Wenn ein Pferd oder Reiter unter die 66,6 Prozent fällt, besteht die Möglichkeit innerhalb von 24 Monaten,  "Punkte" zu holen, oder es findet eine Herabstufung des Niveaus statt. 
 
 


Kanavy hat gegenüber Grand Prix die Ideen weiter erläutert. "Da es sich bei unserem Sport um ein Rennen handelt, denke ich nicht, dass die festgelegte Geschwindigkeit jemals überschritten wird. Die Vorschläge bestehen also darin, die Prozentsätze der absolvierten und beendeten Distanzritte zu erreichen. Pferde und Reiter müssen nicht unbedingt als Kombination, sondern unabhängig voneinander einen positiven Anteil von 66,6 Prozent haben. Das heißt, dass zwei von drei Starts beendet werden müssen. 

Die ehemalige Weltmeisterin sieht den hohen Stellenwert der Geschwindigkeit in der Gruppe 7 darin begründet, dass wenig andere Möglichkeiten wie z.B. unterschiedliches Terrain bestehen, die Konkurrenz herauszufordern, in gewisser Weise also erfolgt über das hohe Tempo eine Art Kompensation. Daher hat sich die Geschwindigkeit zum Schwerpunkt der Gruppe 7 entwickelt und vielleicht müssen andere Wege zum Erfolg erkundet werden. Zum Beispiel könnten  Auszeichnungen angedacht werden für eine gewisse Anzahl an Erfolgen, z.B. Bronze Elite – für zehn beendete Distanzritte auf 1*-Niveau, Silver Elite – für zehn beendete Ritte auf 2*-Niveau und Gold Elite für zehn beendete 3, 4 oder 5* Distanzritte - Auszeichnungen, die auf den Sport weltweit angewendet werden können.

Regeländerungen dieser Art würden den Sport mit anderen FEI-Disziplinen wie Vielseitigkeit und Dressur in Einklang bringen, die beide leistungsbasierte Kriterien haben. Als Randbemerkung ist anzumerken, dass Distanzreiten noch immer die einzige Disziplin ist, die "Jockey-Reiter" erlaubt, die an diesem Tag zum Einsatz kommen, ohne das Pferd näher zu kennen und daher frühzeitige Anzeichen einer Verletzung übersehen können. Viele Stimmen in der Distanzsportwelt haben seit Jahren darauf bestanden, dass zumindest eine gewisse Qualifikation als KOMBINATION gewonnen werden muss, bevor man auf höherem Niveau antritt.
 
Limon PP könnte noch am Leben sein, wenn diese Ideen umgesetzt worden wären. Für die neun offiziellen Todesopfer dieser Saison (Estel de Montfluq, Katzenwhiskers Tiro Centauri, Kurrajong Unique, Patrolons Moonstruck, Azzam al Khamis, Syferpan Usain, Sumer, Vagram Aya und Limon PP) lag die durchschnittliche Abschlussquote unter 40 Prozent. Zweifellos würden einige, wenn nicht alle dieser Pferde heute noch am Leben sein, wenn mehr nationale Verbände Maßnahmen wie die AERC während des Regelprozesses 2018 vorgeschlagen hätten. Die wenigen Vorschläge für positive Regeländerungen, die es bis zur Schlussabstimmung auf der FEI-Generalversammlung schafften, wurden leider auf 2019 verschoben, nachdem unter den stimmberechtigten Mitgliedern Verwirrung herrschte. Alles, was wir im Moment tun können, ist die Hoffnung bewahren, dass es bis zu einer Regeländerung durch die FEI nicht zu weiteren Todesfällen kommt und in der Zwischenzeit keine Pferde mehr zu ihrem vermeidbaren Tod geritten werden.