Für die Dressurreiter ist die Zeit des Wartens vorbei

Alle fünf deutschen Pferde haben die Verfassungsprüfung anstandslos passiert. Der Grand Prix als erste Qualifikation für die Team- und Einzelwertung steht am Mittwoch und Donnerstag jeweils ab 15 Uhr auf dem Programm. Endlich, wie die Dressurreiter finden. Denn sie sind bereits seit etwas mehr als einer Woche in Rio de Janeiro vor Ort und stehen in den Startlöchern.
 



„Die Zeit ging wahnsinnig schnell vorbei“, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth. „Aber wir freuen uns, dass es jetzt endlich losgeht.“ Die 47-jährige Rheinbergerin werde ob ihrer langjährigen Erfahrung im Team auch „Mutti“ genannt, berichtete Kristina Bröring-Sprehe. „Man kann sie immer um Hilfe bitten. Und sie bringt gute Stimmung ins Team.“
Das bestätigt auch Dorothee Schneider, die als zweite deutsche Reiterin an den Start gehen wird. „Die Stimmung im Team ist perfekt. Auch wenn es im Olympischen Dorf immer mal wieder kleine Herausforderungen zu meistern gibt“, sagte die 47-Jährige und lachte. „Einmal stand ich voll eingeseift unter der Dusche und es kam kein Wasser mehr. Ich habe schon überlegt, was ich jetzt machen soll, aber dann lief es wieder.“ Für die Pferde seien die Bedingungen im Olympischen Reitsportzentrum in Deodoro aber perfekt. „Die Pferde können aus den Boxen nach draußen gucken und bekommen so viel mit. Das war in London nicht so, da gingen die Boxen nach innen raus.“ Schneider gewann 2012 Olympisches Mannschaftsilber mit der Stute Diva Royal. Nach Rio hat sie ihren Hannoveraner-Wallach Showtime RH mitgebracht, der für seine Schüchternheit bekannt ist. „Ich habe aber das Gefühl, dass Showtime hier in Rio mental sehr gut zurechtkommt und er sich wohlfühlt. Er hat sich gut akklimatisiert und bekommt hier viele verschiedene Eindrücke, die ihn aber nicht nervös machen.“

Wie ihre Teamkollegen will sich die Weltranglistenerste Kristina Bröring-Sprehe als dritte deutsche Starterin zunächst auf die Mannschaftsaufgabe konzentrieren. „Für mich zählt erstmal das Ergebnis fürs Team. Das Wichtigste ist, dass die ersten beiden Prüfungen gut laufen. Wenn wir gut starten, können wir das gute Gefühl mit in die Einzelwertung nehmen“, sagte die 29-jährige Vize-Europameisterin. Ihr Pferd Desperados FRH sei topfit und gut drauf.

Den Auftakt im Grand Prix wird für Deutschland das jüngste Paar machen: Sönke Rothenberger und sein niederländischer Wallach Cosmo. Seine ersten Olympischen Spiele seien für ihn ein „sagenhaftes Erlebnis“ sagte der 21-jährige Student. „Es ist richtig cool, andere berühmte Sportler wie Britta Heidemann oder Paul Biedermann im Olympischen Dorf zu treffen. Man sieht dort ja ständig welche und ich habe schon viele Fotos mit ihnen gemacht.“ Von den drei Damen im Team werde er auch gut behandelt, schmunzelte Rothenberger. „Ich bin froh, dass ich hier bin. Wir haben ein tolles Klima im Team. Man lernt hier aber auch viel über das Management der Pferde, wie sie mit dem Klima und den ganzen Rahmenbedingungen zurechtkommen.“ Über seine Ambitionen sagt der Olympia-Debütant: „Ich will gut reiten und an die Ergebnisse aus diesem Jahr anknüpfen. Mein Pferd ist richtig gut drauf und ich bin guter Dinge.“
Als vollwertiges Teammitglied fühlt sich auch Ersatzreiter Hubertus Schmidt, der sich ganz in den Dienst der Mannschaft stellt und unterstützt wo er kann. „Ich hatte ja jetzt lange genug Zeit, mich auf die Rolle als Ersatzreiter einzustellen. Wir haben ein super starkes Team. Die Zeit hier genieße ich trotzdem, meine Frau ist ja glücklicherweise auch mit dabei.“ Schade sei es dennoch, dass er voraussichtlich nicht zum Einsatz komme. „Mein Pferd Imperio fühlt sich richtig gut an.“

Die Entscheidung über die Mannschaftsmedaillen fällt am Freitag, 12. August, nach dem Grand Prix Special. Anschließend folgen für die Dressurreiter zwei freie Tage, bevor am Montag, 15. August, die Einzelentscheidung in der Grand Prix Kür ansteht. Isabell Werth, Schlussreiterin der deutschen Equipe, hofft, an den freien Tagen noch etwas von der Stadt sehen zu können. „Unsere Pfleger sind schon mal zum Cristo gefahren und haben ein bisschen Sightseeing gemacht. Leider ist die Transportsituation nicht so einfach. Aber wir haben vom DOSB einen VW-Bus mit Fahrer bekommen, der uns überall hinbringt. Der Bus ist zwar etwas klapprig und man muss immer mit offenem Fenster fahren, weil man sonst wahrscheinlich eine Kohlenmonoxyd-Vergiftung bekommt, aber die Fahrten sind spitze. Wir sind froh, dass wir den haben.“