Olympia 2021 - einige Spitzenpferde von 2020 werden nicht mehr dabei sein

Die Verschiebung der Olympischen Spiele auf das Jahr 2021 ist aufgrund der Corona-Pandemie zwingend notwendig geworden. Doch was bedeutet das für die Reiter? Die Qualifikationen bleiben erhalten. Die Pferde sind jedoch 2021 ein Jahr älter.  Während einige gehofft haben, dass ihre erfahrenen, älteren Spitzenpferde bei den Olympischen Spielen 2020 in der Form ihres Lebens glänzen können, haben andere Pferde im Stall, die mit einem Jahr mehr an Erfahrung zu einer Olympia-Hoffnungen heranreifen können. Damit werden die Karten neu gemischt. In allen drei Disziplinen.



Die Verschiebung der Olympischen Spiele auf den Sommer 2021 hat Folgen. Alle Sportler werden sich gut auf den Karriere-Höhepunkt vorbereiten können, werden im Vorfeld der Spiele von Tokio, die im Juli 2021 ausgetragen werden, Turniere zur Formüberprüfung wahrnehmen können. Alle Sportler, so hat das IOC versichert, werden ihre Qualifikation soweit sie bereits erzielt wurde, behalten. Doch bei den Reitern ist der Fall etwas komplexer. Einige Dressur-, Spring und Vielseitigkeitsreiter haben bei ihrer Planung für den Sommer 2020 auf ein Pferd gesetzt, dass ein Jahr später vielleicht nicht mehr in Top-Verfassung sein wird. 

Jeder Reiter weiß, dass grundsätzlich gilt: Der Turnierplan kann nur eingehalten werden, wenn die Pferde fit bleiben. Das gilt insbesondere für die Teilnahme an Championaten. Doch ein Jahr mehr macht gerade im Hinblick auf die klimatischen Bedingungen bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio einen großen Unterschied. Ein Pferd, das im Jahr 2021 im Alter von 17 oder 18, vielleicht sogar 19 Jahre an den Start geht, wird mit der Hitze vielleicht Probleme bekommen. Wird bei dem Event, das Karriere-Höhepunkt sein soll, vielleicht keine Top-Form zeigen können. Und wird deshalb vielleicht nicht mehr für die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Tokio in Betracht gezogen. 



Die US-amerikanische Dressurreiterin Laura Graves entschied im Januar 2020 ihr Spitzenpferd Verdades aus dem Sport zu verabschieden, weil sie spürte, dass die Top-Form nicht mehr mit Leichtigkeit erreichbar war. Der KWPN-Wallach ist 18 Jahre und war im letzten Jahr noch herausragend unterwegs. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sich zeigt: Der vierbeinige Sportpartner wird älter und ist nicht mehr genauso leistungsfähig wie früher. Bei den Olympischen Spielen 2020 hatte die Nummer eins der Dressur-Welt Isabell Werth Bella Rose eingeplant. Die Fuchsstute ist in diesem Jahr 16 Jahre alt.  2019 war die Belissimo-Tochter in Top-Form. Es besteht die Chance, dass sie im nächsten Jahr noch besser unterwegs ist. Aber bei einem Alter von 17 Jahren besteht auch immer die Chance, dass die Kurve nicht mehr stetig nach oben zeigt. 

Für alle Reiter, die in diesem Jahr bei den Olympischen Spielen ein Pferd im Alter von 16, 17 oder 18 Jahren an den Start bringen wollten, wird sich die Frage stellen, ob sie Tokio 2020 im nächsten Jahr mit einem anderen, jüngeren Pferd angehen wollen. Falls kein jüngeres Pferd mit Championatsqualität zur Verfügung steht, wird sogar in Frage gestellt sein, ob die Reiter überhaupt für ihr Land antreten können. Dabei sind längst nicht alle Nationen in der glücklichen Lage einen gut aufgestellten Elitekader zu haben, bei dem sie aus dem vollen schöpfen können. 

Helen Langehanenberg's Damsey ist 18 Jahre alt. Seine Reiterin freut sich darüber, dass der Hengst in Top-Form ist und sich beim Vet-Check gerne wie ein 3-Jähriger aufführt. Doch ob die Kondition im nächsten Jahr ebenso gut ist und der Dressage Royal-Sohn dann auch noch im Viereck von Aachen oder Wiesbaden antreten kann, steht in den Sternen. Im Fall von Helen Langehanenberg und Damsey ist - trotz der herausragenden Leistungen des Paares - nicht davon auszugehen, dass diese Kombination in Tokio antritt. Dafür gibt es im deutschen Elitekader zu viele Paare mit herausragenden Leistungen. Doch das ist bei anderen Ländern längst nicht so. 

Manche Nation wird durch das reifere Alter eines Pferdes vielleicht keine Mannschaft stellen können. Ein beispiel dafür ist Irland. Judy Reynolds und ihr KWPN-Wallach Vancouver (Ferro x Jazz) wären in diesem Jahr das stärkste Paar der irischen Mannschaft gewesen. Vancouver ist genauso alt wie Damsey. Im nächsten Jahr würde Judy Reynolds mit einem 19-jährigen Vancouver in Tokio antreten.  Ein Alter, in dem ein Pferd fit und extrem leistungsfähig sein kann - in dem die Leistungskurve aber auch bereits stark fallen kann. Fraglich ist auch, ob der Stoffwechsel des älteren Pferdes eine zusätzliche Belastung der feuchten Hitze eines Tokio-Sommers verkraftet und ob die Reiterin ihrem Pferd dies zumuten möchte. Auch wenn die Qualifikationen für die Reiter bestehen bleiben, ist nicht auszuschließen, dass am Ende doch andere Nationen und Einzelreiter antreten.

Dabei sind die Dressurpferde im Hinblick auf die klimatischen Bedingungen von Tokio im Sommer nicht am ärgsten betroffen. Die Vielseitigkeitspferde müssen die olympische Geländestrecke in feuchter Hitze absolvieren und deshalb besonders gut in Form sein. Die Belgierin Karin Donckers hatte für die Spiele in diesem Sommer mit ihrem Spitzenpferd Fletcha van 't Verahof eingeplant. Im nächsten Jahr wird Fletcha 16 Jahre alt sein. Wie gut die Form dann ist, ob die Kondition dann für Spitzen-Ergebnisse ausreicht, wird sich vielleicht erst im Frühjahr 2021 zeigen. Sollte Karin Donckers feststellen, dass Fletcha nicht die optimale Verfassung hat, ist fraglich, ob sie überhaupt für Belgien antreten kann.